10 Tipps zum Netzwerken – und warum es Spaß macht, das auf Barcamps zu tun.

Netzwerken im Job ist in jeder Branche und auf jeder Berufsebene essentiell. In der Praxis ist es häufig tatsächlich einfacher, als man es sich vorstellt. Barcamps – also offene Workshops und Tagungen – stehen für begeisterte Netzwerker schon längst auf der Tagesordnung. Eva Stock, Senior HR-Managerin und Bloggerin aus Berlin, berichtet von ihren ganz persönlichen Erlebnissen und Erkenntnissen auf einem Barcamp – und darüber, was sie über das Netzwerken gelernt hat.

Auch wenn es der Name vermuten lässt: Barcamp hat nichts mit dem Konsum von alkoholischen Getränken in schummriger Atmosphäre zu tun. Ein Barcamp ist eine Art „Unkonferenz“ – ein Zusammentreffen von Personen, die eigentlich nur eines wollen: sich austauschen. Auf einem Barcamp lautet die Parole: Werde aktiv! Wer zu einem Barcamp geht und denkt, er könne sich locker hinsetzen und berieseln lassen, der wird schnell merken, dass das nichts wird. Der Reiz: Es gibt keinen festen Ablauf, kein festes Programm, meist gibt es nicht einmal ein festgelegtes Thema, aber alle müssen sich irgendwie einbringen. Für die Ausrichtung eines Barcamps braucht es nicht viel: einen Veranstaltungsort mit mehreren Räumen, Teilnehmer und genügend Zeit. Die Teilnehmer, die ein Barcamp besuchen, geben Agenda und Themen vor. Jeder kann theoretisch ein Thema einbringen. Meist gibt eine Thementafel grobe Zeitfenster für jede „Session“ (also den Workshop oder Austausch, den jemand initiiert) vor. Die Tafel wartet darauf, munter während der kompletten Barcampzeit fortlaufend mit Themen bestückt zu werden. Wie der „Host“ (also der Moderator bzw. Themen-Einbringer) in seiner Session vorgeht und wie er diese gestaltet, bleibt ihm oder ihr überlassen. Die Hosts gehen meist mit unterschiedlichen Erwartungen in ihre Session. Sei es, dass sie Tipps und Tricks zu einem Problem teilen oder bekommen wollen, eine Idee vorstellen oder eine Meinung einholen möchten – alles ist möglich. Ob der Host seine Session dabei als Gesprächsrunde, Workshop oder Brainstorming gestalten möchte, bleibt ihm oder ihr überlassen. Wenn die Teilnehmer einer Session diese besonders toll fanden, spricht sich das meist schnell herum und nicht selten bedeutet das, dass der Host diese einfach innerhalb des Barcamps noch einmal anbietet. Das Spannende dabei ist, dass je nach Gruppenzusammensetzung völlig verschiedene Ergebnisse herauskommen können. Das Reizvolle am Barcamp-Format ist: Prinzipiell kennt das Format wenig Grenzen und Regeln. Sehr viel passiert selbstgesteuert und aus der Eigendynamik der Menschen, die sich dort begegnen. Man hat auch jederzeit Gelegenheit, Gespräche außerhalb der Sessions weiterzuführen, und kann damit sehr selbstbestimmt durch ein Barcamp gehen.

Ich durfte diesen Mai in Berlin eine Session hosten, bei der ich ein relativ unkonkretes Ziel verfolgte: Ich wollte bei den Teilnehmern Lust auf Netzwerken machen. Weil das mit dem Netzwerken auf einem Barcamp erfahrungsgemäß super klappt, schien mir das Thema ideal. In meiner Session – und schon davor – kamen spannende Erkenntnisse und Geschichten zu Tage, die ich in den folgenden 10 Punkten zusammengefasst habe.

 1.) Am aufregendsten ist Netzwerken, wenn man nicht so viel nachdenkt. Morgens, 9:00 Uhr. Der Abend zuvor war etwas weinselig (es gab einen Vorabendevent zum Barcamp selbst). Während ich meine Session „pitche“, also den anderen Teilnehmern des Barcamps vorstelle, worüber ich sprechen möchte, rede ich mich gefühlt ein wenig um Kopf und Kragen. Wie gesagt: Ich habe mir nicht übermäßig viele Gedanken gemacht zu meinem Session-Thema – ob mir das jetzt auf die Füße fällt? Aber Zweifel sind nun nicht mehr angebracht. Spontan ist gut! Ich muss selbst lachen, als ich mich verhaspele, alle anderen auch. Irgendwie schaffe ich es dann doch noch, meine Gedanken zu sortieren. Der Pluspunkt: Man wird sich vielleicht nachhaltig an mich erinnern. Auch das ist ja in punkto Netzwerken nicht verkehrt. Nachdem ich mir am Barcamp-Board noch Session-Zeit und den Raum ausgesucht habe, bin ich auf einmal doch noch etwas zögerlich. Ich war erst auf zwei Barcamps – ob es hier auch so läuft? Um mir erstmal Eindrücke zu verschaffen, ob ich das richtige Konzept fahre (nämlich gar keins zu haben), gehe ich erstmal als Teilnehmer in ein paar Sessions. Die Erkenntnis danach lautet: Ich bekomme das hin! Als dann endlich meine Session startet, bin ich erstaunt und erleichtert, dass es doch ganze 19 Teilnehmer zu mir geschafft haben. Das Thema Netzwerken scheint also doch auf Interesse zu stoßen. Ich starte meine Session völlig frei, notiere aber ein wenig auf dem Flipchart mit. Jeder darf erzählen, welche Erfahrungen er oder sie bereits mit bestehenden Netzwerken und mit dem Akt des Netzwerkens selbst gesammelt hat. Zunächst traut sich niemand so richtig. Also starte ich ein paar Abfragen mit Handzeichen: „Wer ist auf Xing, wer ist auf Twitter?“ – und schon geht die Diskussion los!

2.) Xing- und LinkedIn-Accounts sind ein Muss. Twitter ist eher der Außenseiter. Die meisten meiner Session-Teilnehmer fühlen sich bei Xing wohler. LinkedIn ist vielen „zu viel Facebook“, da dort auch Bilder, Videos und Verlinkungen geteilt werden können. Was den einen zu viel ist, dient den anderen als Inspirationsquelle, da ist man sich nicht einig in meiner Gruppe.
Als weiteren eher nervigen Nebenaspekt von LinkedIn sehen viele die ständigen Kontaktanfragen – oft von Leuten, die man gar nicht kennt. Ich persönlich finde ja gerade das spannend. Aus manchen der zufälligen Klicks wird schnell eine interessante Konversation – andere LinkedIn-Kontakte bleiben wiederum „Karteileichen“. Aber man weiß auch nie genau, wer wann plötzlich interessant werden könnte. Von daher sehe ich in vielen Kontakten auf diesen Plattformen persönlich kein Problem. Bei Xing läuft es im Vergleich zu LinkedIn in der Wahrnehmung der Session-Teilnehmer etwas gesitteter ab. Als starke Nutzer von beruflichen Plattformen outen sich vor allem die, die Online-Netzwerke vor allem aus beruflichen Gründen nutzen: Selbstständige, Mitarbeiter in internationalen Firmen, Recruiter etc. Twitter ist leider weit abgeschlagen in meiner Session-Truppe. Twitter wird als ein Kanal gesehen, auf dem sich eher wahllos mitgeteilt wird – auch wenn der Account eigentlich beruflich ist. Die Katze krank, der Zug ausgefallen, einfach mal einen launischen Kommentar abgeben – wirklich wichtige Informationen werden darüber nicht gestreut. Da scheint sich die Gruppe einig.

3.) Netzwerken geht auch ohne Internet. Die meisten aus meiner Gruppe sehen sich gar nicht als „Netzwerker“, weil sie damit „Visitenkarten-Tauschparties“ oder exzessive Nutzung von beruflichen Online-Netzwerken verbinden.
Mein Nachhaken ergab: Stattdessen nutzen viele WhatsApp- und Stammtischgruppen – in denen sie sich mit neuen und alten Kollegen organisieren. Dass der Begriff des Netzwerkens mittlerweile doch sehr digital belegt ist, hängt natürlich vor allem an Facebook und Xing. Eine Session-Teilnehmerin erzählte, dass sie sich vor kurzem erst getraut hat, einfach mal jemanden auf einem Event anzusprechen, den sie nur vom Xing-Foto kannte. Ihre Erkenntnis: Es tat gar nicht weh, hat nur kurz Überwindung gekostet und führte zu einem netten Gespräch.
Als wirkliche Treiber für erfolgreiches und nachhaltiges Netzwerken werden rein digitale Communities allerdings nicht gesehen. Eher als Stein des Anstoßes, um sich dann mal persönlich zu treffen.

4.) Ohne Sympathie geht es dann doch nicht. Was passiert nach dem Bestätigungsklick oder nach dem Einstecken der Visitenkarte? Meistens gar nichts. Es sei denn, man hatte sich in dem Moment des Kennenlernens oder auch kurz danach wirklich etwas zu erzählen, ist sich irgendwie sympathisch oder brennt für dasselbe Thema. Alle in meiner Gruppe sind sich einig: Es scheint, als müsse man etwas im Networking-Partner finden, das nicht nur beruflich geprägt ist. Sonst macht es halt keinen Spaß. Und wenn es keinen Spaß macht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Kontakt nicht weiter ausgebaut wird.

5.) Ein verbindliches und echtes Netzwerk gibt es nicht ohne (zeitliche) Investition. Nachhaltiges Netzwerken kostet Zeit. Einer der Session-Teilnehmer unterscheidet in „aktive“ und „passive“ Netzwerke. „Aktive Netzwerke“ sind die, in die man Zeit investiert. Sie sind dynamisch und „am Laufen“ – man trifft öfter zusammen oder aufeinander und kann daraus auch direkten persönlichen Gewinn ziehen. Die „passiven Netzwerke“ hingegen laufen im Hintergrund. Sie ruhen die meiste Zeit und werden nur dann aktiviert, wenn es gerade thematisch oder zeitlich passt. Das kann dann auch mal eine virtuelle Gruppe auf Xing oder LinkedIn sein oder der Kollege, den man nur alle zwei Jahre auf diesem einen Event sieht. Wichtig dabei ist: Eine Qualitätsaussage beinhaltet diese Unterscheidung in verschiedene Arten von Netzwerken zunächst nicht.

6.) Meetups als Netzwerkquelle und Lösungsfinder nutzen. Meetups gibt es in allen größeren Städten und zu allen möglichen Themen. Man kann ganz einfach mal „Meetup + Stadt“ googlen – und schon sollte man eine ordentliche Auswahl bekommen. Am besten gefiel mir der Gedanke eines Meetups als beruflicher Therapieraum. Sich einfach auch mal gegenseitig sein Leid klagen, aber daraus auch gemeinsame Lösungsvorschläge generieren und sich Ideen und Anregungen für neue Projekte holen – halt ein bisschen wie ein Barcamp, nur themenspezifischer. Viele aus meiner Session-Gruppe nutzen formelle oder informelle Treffen gerne, um sich auszutauschen. Einen guten Tipp fand ich auch: Wenn man umzieht und noch wenig Kontakte vor Ort hat, kann man das mit Hilfe von Meetups sehr schnell ändern. Diese gibt es eben nicht nur in beruflichem Kontext.

7.) Die Raucherpause ist und bleibt der Netzwerk-Sieger. Man sollte natürlich nicht mit dem Rauchen anfangen, nur um der berühmten Raucherpause beizuwohnen. Man kann sich auch mal einen Kaffee schnappen und die Kollegen vor die Tür begleiten. Gerade in der Raucherpause werden gerne die wichtigsten Entwicklungen und Themen innerhalb des Unternehmens besprochen. Man trifft in der Kollektivsucht unkompliziert auf Kollegen aus anderen Abteilungen. Man lernt sich dadurch zwangsläufig kennen und so manches Begehr wird schneller bearbeitet, wenn man dem Kollegen mal ein Feuerzeug ausgeliehen hat. Ich habe nie geraucht und ich stehe auch wirklich nicht gerne dabei, aber ich weiß: Es ist einfach was dran. Also: Mundschutz an, Strohhalm in den Kaffee – und dazustellen!

8.) Das persönliche Gespräch bleibt unersetzlich. Der neue Trend nach SMS, WhatsApp und Facebook-Messenger lautet: Sprachnachrichten. Teenies wie Erwachsene halten sich ihr Handy schräg vor das Gesicht, um sich gegenseitig Nachrichten aufs Mobiltelefon zu sprechen. Ich gebe es zu: Ich mache diesen Trend nicht mit, solange es noch die Tastatur gibt. Aber eines muss man den Sprachnachrichten ja lassen: Sie haben im Grunde einen ehrenwerten Charakter. Stimme und Tonfall sagen schließlich mehr aus als 20 Emoticons oder eine E-Mail. Wir waren uns daher in der Session-Gruppe einig: Netzwerken ist nur dann echt und nachhaltig, wenn man sich auch mal im echten Leben begegnet und kennenlernt. Dafür sollte man sich trotz Familien- und Freizeitstress auch mal einen Abendtermin einrichten. Insbesondere dann, wenn es Kontakte sind, die nicht regelmäßig in der eigenen Stadt weilen.

9.) Netzwerken kann man überall. Es muss ja nicht immer das Business-Netzwerk sein. Netzwerken heißt einfach, dass man neue Menschen kennenlernt und sich die Möglichkeit gibt, irgendwie in Kontakt zu bleiben. Damit gibt man dem zufälligen Zusammentreffen die Chance, sich weiterzuentwickeln. Daraus kann etwas entstehen, muss es aber eben nicht zwangsläufig. Netzwerken kann also im Urlaub stattfinden, im Flieger, in der Bahn, beim Einkaufen … es braucht dafür keinen besonderen Raum oder Event. Aber gerade Events helfen natürlich dabei, die Chance zu erhöhen, auf Gleichgesinnte zu treffen.

10.) Es ist dein persönliches Netzwerk – aber teilen macht mehr Freu(n)de! Eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner Session-Gruppe lautet: Genieße dein Netzwerk und freue dich darüber! Toll, wie viele Gleichgesinnte oder spannende Menschen du kennst! Super, dass du auf eine Konferenz gehst und dort bekannte Gesichter entdeckst! Schön, dass wir hier in der Session beisammen sind und unsere Kontaktdaten austauschen! Dass es das persönliche Netzwerk ist, schließt nicht aus, dass man es auch für andere öffnet. Dass man Menschen in Kontakt bringt, ohne zunächst zwangsläufig davon zu profitieren. Egomanentum ist beim Netzwerken fehl am Platz und wird schnell abgestraft. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Es ist viel fruchtbarer für das eigene Netzwerk, wenn man es teilt. Und falls Sie nun Lust bekommen haben, Ihr Netzwerk zu vergrößern, dann mein Tipp: Einfach machen und ausprobieren! Vielleicht haben Sie ja sogar Lust bekommen, ein eigenes Barcamp zu initiieren. Ich bin wirklich großer Fan dieses Formates geworden. Man braucht weder luxuriöse Veranstaltungsorte noch teure Referenten. Trotzdem oder gerade deshalb gibt es so viel In- und Output wie in fast keinem anderen Format. Seinen eigenen Denk- und Wissenshorizont überschreiten, sich aus der Komfortzone bewegen und auf neue Ideen einlassen: Das macht den Reiz von Barcamps als Netzwerkinstrument aus.

Eva Stock, Berlin

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